3. August 2023 Weidegang und Melkroboter – passt das zusammen?

Viele Milchviehhalter denken, dass Weidegang und Melkroboter keine ideale Kombination ist. Lässt sich das wirklich nicht kombinieren? Und welche Möglichkeiten hat man, wenn man es doch ausprobiert? Wir fragten Neeke van Zwol, Milchviehhalterin auf der Nordseeinsel Terschelling, wie sie das angeht.

Im Sommer auf die Weide

Als Milchviehhalter willst du, dass auf deinem Betrieb alles gut läuft. Du sorgst für einen guten Stallkomfort, bequeme Liegeboxen, gute Fressplätze und ein effizientes Melksystem. Und, wenn es irgendwie möglich ist, können deine Tiere nach draußen aufs Land.

Für Neeke van Zwol, Biolandwirtin auf Terschelling, ist Weidegang sehr wichtig. „Ich kenne es eigentlich nicht anders. Mein Vater hat die Kühe früher immer nach draußen gelassen, und das habe ich auf meinem Betrieb beibehalten. Meine Kühe haben nur sehr wenig Klauen- und Euterprobleme und ich bin davon überzeugt, dass der Weidegang einen positiven Beitrag zur Tiergesundheit leistet.“

Der Wunsch: ein Melkroboter

Einerseits will man als Milchviehhalter auch gut für sich selber sorgen und ist die Möglichkeit, die Arbeit zu erleichtern, sehr willkommen. Dies gilt auch für Neeke, die im November 2022 zum Melken mit einem Melkroboter wechselte. „Ich hatte einen 50 Jahre alten Melkstand, und der musste dringend erneuert werden“, berichtet sie. „Das Melken kostete mich immer so viel Zeit, daher wollte ich eine andere Lösung.“

Ein Melkroboter war ein großer Wunsch von Neeke, um aber dies mit dem Weidegang kombinieren zu können, musste sie erst gut überlegen, wie sie den Stall und alle Abläufe am besten einrichten konnte. Neeke: „Ich wollte nicht den ganzen Tag den Kühen hinterherlaufen, um dafür zu sorgen, dass sie rechtzeitig gemolken werden und anschließend wieder nach draußen gehen. Mir ging es doch gerade darum, den Arbeitsaufwand zu verringern.“

Die richtige Motivation

Neeke entschied sich bewusst dafür, den M²erlin Melkroboter an der Rückseite des Stalls aufzustellen. „Wenn die Kühe von der Weide kommen, brauchen sie nicht erst durch den ganzen Stall laufen bis sie beim Roboter sind“, erklärt sie ihre Überlegungen. „Sind sie fertig gemolken? Dann gelangen sie durch die Ausgangstür des Roboters in einen Gang und von dort aus weiter auf die Weide. Dadurch haben sie nicht die Neigung, durch die hintere Tür direkt wieder in den Stall zu gehen. Mein Fullwood Händler, BoschHIT, hat gut mit darüber nachgedacht, wie ich die Kühe in die richtige Richtung schicken kann. Klappt gut, denn meistens laufen sie jetzt direkt wieder auf die Weide.“

„Hilfreich ist auch, dass ich ihnen nach dem Melken immer wieder etwas frische Weidefläche anbiete“, erläutert Neeke weiter. „Ein sauberer Teller stimuliert sie zusätzlich. Ich habe natürlich den Vorteil, dass meine Parzellen günstig liegen und nicht allzu groß sind. Daher brauche ich nur ein paar Weidezäune umstecken, damit die Kühe auf einem anderen Stück Land laufen können. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass dies nicht für jeden Betrieb so einfach ist.“

Anpassungen vornehmen

Trotzdem lassen sich das Melken mit dem Melkroboter und der Weidegang gut kombinieren, findet Neeke. „Es kann allerdings sein, dass man ein paar Dinge anpassen muss. Vielleicht muss man die Parzellen verkleinern, um öfter wechseln zu können, oder über den Platz nachdenken, an dem der Roboter aufgestellt wird. Oder man setzt Sensoren ein, mit denen man steuern kann, welche Kuh nach draußen kann oder noch nicht.“
Neeke selbst brauchte diese Sensoren nicht. „Durch die Position und die richtige Einstellung des Roboters, kann der Roboter selbstständig für mich entscheiden, ob eine Kuh nach draußen kann oder nicht“, erläutert sie. „Ich brauchte daher auch keine zusätzlichen Tore anschaffen, und das macht auch was aus.“

Erziehen und loslassen

Neeke findet es wichtig, ihre Kühe zu erziehen, gleichzeitig will sie es aber auch ein wenig locker angehen. „Du musst nicht dauernd deinen Kühen hinterher laufen wollen“, sagt sie. „Da hat niemand was von. Aber sie müssen schon lernen, was von ihnen erwartet wird.“

„So funktioniert es hier jedenfalls echt gut. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Melkgeschwindigkeit verbessert und die Zellzahl gesunken ist. Mit dem Melkroboter werden die Kühe nämlich häufiger und besser ausgemolken. Ich hatte das zwar nie als Ziel gehabt, aber es ist ein sehr willkommener Nebeneffekt.“

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